Der IG-Farben-Konzern: Kriegsindustrie und Massenmord

Haupteingang des IG-Farben-Hauses/Pölzig-Baus der J.W.Goethe Universität Frankfurt am Main. (Foto: Sith Cookie / http://commons.wikimedia.org) Haupteingang des IG-Farben-Hauses/Pölzig-Baus der J.W.Goethe Universität Frankfurt am Main. (Foto: Sith Cookie / http://commons.wikimedia.org)

Besuch der ehemaligen Machtzentrale der IG Farben auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Anmeldung bis 15. August erforderlich!

Mit den IG-Farben entsteht 1925 das größte Chemieunternehmen der Welt. Für dieses gigantische Unternehmen, zu dem u.a. Hoechst, Bayer und BASF gehören, entwirft der Architekt Hans Poelzig Ende der Zwanziger Jahre ein repräsentatives Verwaltungsgebäude in Frankfurt. Von dort wird der Konzern bis zum Zusammenbruch nach Kriegsende gelenkt. Seit 2001 nutzen die Goethe-Universität und das Fritz-Bauer-Institut das 250 m lange Gebäude, das oft als Stadtkrone bezeichnet wird.

Der IG-Farben-Konzern ist auf mehrfache Weise in die Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes verstrickt:
- IG-Farben baut zusammen mit der SS ein eigenes KZ in der Nähe von Auschwitz auf.
- Die Marburger Behringwerke, eine Tochter der IG-Farben, liefert Fleckfieberimpfstoff an das Hygiene-Institut der Waffen-SS, der in medizinischen Experimenten – häufig mit tödlichem Ausgang – an KZ-Häftlingen in Buchenwald getestet wird.
- Die Firma Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), an der IG-Farben mit mehr als 40 Prozent beteiligt ist, produziert Zyklon B, das allein in den Gaskammern von Auschwitz eine Million Menschen tötet.

Ab 1933 avanciert der IG-Farben-Konzern zu einem der Hauptgeldgeber der NSDAP, die Konzernspitze wird zügig „arisiert“, viele jüdische Manager verlieren ihre einflussreiche Position. Für Hitlers Kriegsmaschinerie, die bereits mit dem Vierjahresplan von 1936 initiiert wird, wird die chemische Industrie immer wichtiger, besonders forciert wird die Erzeugung des synthetischen Kautschuks, um von Import-Rohstoffen unabhängig zu werden. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1938 verleiben sich die IG-Farben-Manager die chemische Industrie Osteuropa ein.

Im Februar 1941 entscheidet der IG-Farben-Vorstand nahe Auschwitz eine Buna- und Treibstoff-Fabrik zu bauen – daneben errichtet die IG-Farben in Kooperation mit der SS das Konzentrationslager Buna/Monowitz (Auschwitz III); zwischen 20.000 und 25.000 Menschen, die auf der Baustelle arbeiten müssen, kommen bis zur Aufgabe des KZ im Januar 1945 um. Einer der wenigen Überlebenden ist Norbert Wollheim, seinen Namen trägt das Memorial vor dem IG-Farben-Haus, in dem auch darüber informiert wird, wie lange es dauert, bis die Überlebenden entschädigt werden. Die wegen Kriegsverbrechen angeklagten Vorstände der IG-Farben werden in den Nürnberger Prozessen zwar zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber bereits 1951 ungeachtet heftiger Proteste der Opferverbände vom Hohen Kommissar der alliierten Siegermächte begnadigt.

Zu der Führung in Frankfurt durch Ulrike Jaspers-Kühnhold: 18. August (Samstag), 14 Uhr Abfahrt am Melibokus Parkplatz, Anfahrt mit Privatautos, 15 Uhr Treffpunkt am Haupteingang des IG-Farben-Gebäudes, Campus Westend, Goethe-Universität, Norbert-Wollheim-Platz 1, Frankfurt.

Eine telefonische Anmeldung bis zum 15. August ist erforderlich unter 06251-72171.

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